Freitag, 7. Januar 2011

Italiens Nationalpark Stilfser Joch wird jetzt von den Regionen verwaltet

Seit seiner Gründung im Jahr 1935 wurde der Nationalpark Stilfser Joch vom italienischen Staat zentral verwaltet. Mit Beginn des Jahres 2011 ist die Verwaltung des Nationalparks nun zu den autonomen Provinzen Südtirol und Trentino sowie der Region Lombardei übergegangen. Darum war jahrzehntelang gerungen worden.

Zukünftig verwaltet jede autonome Provinz bzw. Region den Anteil des Nationalparks, der auf ihrem Territorium liegt. Dies sieht die neue Nationalpark-Durchführungsbestimmung vor. Zukünftig entscheidet zudem ein Gremium über die Enwicklung des Nationalparks, das mit Vertretern des Staates sowie der drei beteiligten Regionen besetzt ist. 


Der Nationalpark Stilfser Joch (Parco Nazionale dello Stelvio) gehört zur Gruppe der sogenannten parchi storici. Darunter versteht man in Italien diejenigen Nationalparks, die vor den achziger Jahren des letzten Jahrhunderts ausgewiesen worden sind. Dabei handelt es sich um insgesamt fünf Nationalparks, deren größter der Nationalpark Stilfser Joch ist. Dieser Nationalpark ist bis heute mit einer Fläche von 130.728 Hektar der größte der Alpennationalparks Italiens. Er umfasst weite Gebiete der Ortler-Alpen.

Der Nationalpark Stilfser Joch wurde während der Zeit des Faschismus in Italien ausgewiesen. Die Bevölkerung vor Ort hat diesen Nationalpark damals als etwas empfunden, das der Region von oben ohne Zustimmung der Bevölkerung auferlegt worden ist. Dieses kritische Verhältnis zum Nationalpark Stilfser Joch dauert bis heute an. Mit der jetzt erfolgten Änderung der Verwaltung des Nationalparks will man zukünftig die Bevölkerung besser für den Nationalpark gewinnen. Die Umweltschutzorganisation Legambiente befürchtet jedoch, dass in der autonomen Provinz Südtirol der Schutz des Nationalparks abgeschwächt wird und bisher mit dem Nationalpark nicht kompatible Nutzungen wie z.B. Forststraßen oder künstliche Aufstiegshilfen zukünftig zugelassen werden. Die Verschiebung der Verwaltung des Nationalparks auf die regionale Ebene sieht Legambiente als Verrat an der 75-jährigen Geschichte des Nationalparks und an der Nationalparkidee an.        

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