Freitag, 28. Januar 2011

Frankreich plant einen Feuchtgebiets-Nationalpark

Neun Nationalparks besitzt Frankreich zur Zeit. Und gemäß eines langfristigen Umweltplans soll Frankreich in den kommenden Jahren drei zusätzliche Nationalparks bekommen. Diese Nationalparks sollen in Naturräumen eingerichtet werden, die bisher noch nicht von der Schutzgebietskategorie Nationalpark abgedeckt sind. Ziel ist, dass zwei Prozent der Fläche Frankreichs (ohne Überseedepartements) unter einem strengen Schutz stehen (Nationalpark oder Naturschutzgebiet).

Die bestehenden Nationalparks decken die Ökosysteme Mittelgebirge, Hochgebirge, Tropenwald, Inseln und Küsten ab. Die Ökosysteme Mittelmeerlandschaft, Laubwald der tiefen Lagen und Feuchtgebiete sind in den Nationalparks noch nicht vertreten.


Das Ökosystem Mittelmeerküste soll durch den zukünftigen Nationalpark "Calanques de Marseille et de Cassis" abgedeckt werden (siehe auch im Post vom 12.01.2011). Dieser Nationalpark soll 2011 Gesetz werden. Für den Schutz des Ökosystems Laubwald der tiefen Lagen ist der Nationalpark "entre Champagne et Bourgogne" geplant (siehe auch im Post vom 22.06.2010). Seine Eröffnung ist für 2012 anvisiert. Die Planungen für den neuen Feuchtgebiets-Nationalpark sind im Gange, jedoch noch nicht so weit fortgeschritten wie die Planungen für die beiden anderen neuen Nationalparks.

Für den neuen Feuchtgebiets-Nationalpark (parc national de zone humide) hat man alle Feuchtgebiete mit einer Fläche von mehr als 1.000 Hektar untersucht. In ganz Frankreich gibt es 110 dieser Gebiete, in Frankreich ohne die Überseedepartements sind es 86. Viele dieser Gebiete konnten für einen Nationalpark nicht berücksichtigt werden, denn gemäß der französischen Gesetzgebung muss ein Nationalpark eine Kernzone von mindestens 10.000 Hektar aufweisen. Diesbezüglich blieben 12 Gebiete übrig. 

In die engste Wahl wurden schließlich drei Gebiete genommen. Eines dieser Gebiete gehört zum Typ Atlantik-Ärmelkanal. Dieses Gebiet heißt Brouage und ist ein großes Sumpfgebiet an der Atlantikküste unmittelbar nördlich der Mündung der Garonne. Die beiden anderen Gebiete gehören zum Typ Flusslandschaften. Das eine dieser Gebiete ist das Tal des nördlichen Allier-Flusses. Dieser Fluss entspringt im Zentralmassiv und mündet in die Loire. Das zweite dieser Gebiete ist das untere Tal des Doubs. Dieser Fluss entspringt im französischen Jura und fließt zunächst an der Grenze zur Schweiz entlang, bevor er nach Südwesten umknickt und später in die Saone (und dann in die Rhone) mündet. 

Im Laufe des Jahres 2011 soll unter den drei Gebieten das letztendlich als Nationalpark auszuweisende Gebiet bestimmt werden. Der Nationalpark soll im Jahr 2013 ausgewiesen werden. Es wäre zu hoffen, dass anschließend auch für die beiden "unterlegenen" Gebiete ein verbesserter Schutz ausgearbeitet wird. 

Kommentare:

  1. Warum nicht das naheliegendste und einen NP in der Camargue einrichten? Die Camargue ist nicht nur das wohl spektakulärste Feuchtgebiet Mitteleuropas sondern sicherlich auch über die Flamingokolonie hinaus ein einzigartiger Naturraum. Zudem stehen schon große zusammenhängende Flächen als reserve national unter strengem Schutz. Diese Flächen dürften die 10.000 ha Marke bereits erreichen. Bleibt eigentlich als einziger Schönheitsfehler das Bewässerungsmanagement, das auf Grund der angrenzenden landwirtschftlichen und industriellen Nutzung betrieben wird. Aber ganz ohne Kompromisse wird es im dichtbesiedelten Mitteleuropa wohl nicht gehen
    Eule

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  2. Das französische Umweltministerium schreibt in seinem Papier zur Auswahl eines zukünftigen Feuchtgebiets-Nationalparks in Bezug auf die Camargue:
    Für die Auswahl des zukünftigen Nationalparks sind alle Gebiete außen vor gelassen worden, die bereits als PNR (parc naturel regional) geschützt sind. Als einziges Gebiet von hohem und nationalparkwürdigem Wert ist tatsächlich die Camargue von dieser Ausschlussregelung betroffen. Man hat gleichwohl die Camargue nicht berücksichtigt, weil die Mittelmeer-Regionen Languedoc-Roussillon und Provence-Alpes-Cote d`Azur bereits überdurchschnittlich viele Nationalparks aufweisen.
    Ich kann dieser Sichtweise etwas abgewinnen. Frankreich muss darauf achten, dass es auch in der Mitte des Landes einmal einen Nationalpark ausweist. Wenn die Camargue zusätzlich auch noch als Nationalpark ausgewiesen würde, wäre dies selbstverständlich zu begrüßen.
    Fritz Möbus

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